Die Krise gibt uns Zeit zum Nachdenken

In Rumänien herrsche in Sachen Baukultur sowohl bei Auftraggebern als auch Planern und Bauleuten ein großer Nachholbedarf, sagt der Vorsitzende der Filiale Hermannstadt-Valcea des Rumänischen Architektenordens, Gabriel Rosca, aber man dürfe zuversichtlich sein, denn „die Krise gibt uns Zeit zum Nachdenken“.

 

Der Bauboom in Rumänien gehöre inzwischen der Vergangenheit an, es sei nach der Wende viel und oft ohne Rücksicht auf ein harmonisches Stadtbild gebaut worden, nun hätten die Architekten mehr Zeit, über ihre Verantwortung nachzudenken. So hofft Rosca, dass der vor zehn Jahren nach zehn Jahren Vorlauf aufgrund eines diesbezüglichen Gesetzes gegründete Rumänische Architektenorden seinen Aufgaben als „Zunft“ dieser Berufssparte besser und effektiver nachkommen werde.


Man könne jetzt „Schritt für Schritt daran gehen, professionelle also sachliche Diskussionen zu führen und die Themen professionell angehen“, hofft der 1974 in Hermannstadt geborene Architekt. Auch deshalb hat er sich dafür eingesetzt, dass die besten rumänischen Arbeiten der diesjährigen Architektur-Biennale auch in Hermannstadt und in Ramnicu Valcea gezeigt werden.

 

In Hermannstadt war die Ausstellung im Foyer im Rathaus am Großen Ring vom 18. Februar bis 10. März zu sehen. Ein einziger Hermannstädter war dabei vertreten. Architekt Tiberiu Bucsa (SKBD) war mitverantwortlich für die preisgekrönte Planung und Durchführung des Projekts „Museum der Armenier“ in Elisabethstadt.

 

Roscas Projekt „Künstlerarchiv für Dan Perjovschi“ wurde in der Kategorie „Unter 1000 Quadratmeter“ nominiert, ging aber leer aus. Für den 2006 zum Vorsitzenden der Filiale Hermannstadt-Valcea des Rumänischen Architektenordens Gewählten und 2010 Wiedergewählten ist wichtig, dass er das Projekt von der Planung bis zum Abschluss begleitet hat. „Mein Interesse liegt darin, auch an der Ausführung meiner Projekte beteiligt zu sein. Es ist so, dass viel von dem, was hierzulande gebaut wird, vom Architekten nur in der Planungsphase betreut wird“, sagt Rosca und fügt hinzu: „2010 wurden allein in Hermannstadt 1.500 Baugenehmigungen erteilt, meist im privaten Bereich. Gut geplant waren vielleicht zehn.“

 

Dabei sei es aus dem Blickwinkel des Berufsbildes wichtig, dass der Architekt die Interessen aller Menschen schützt. Aber zunächst müsste der Architekt im Bewusstsein der Menschen bekannt werden. „Die Architekten sind selbst schuld daran, dass die Leute nicht wissen, was Architektur ist, weil sie keine Aufklärungsarbeit geleistet haben. Sie waren zu sehr mit dem Planen beschäftigt und damit, so viele Aufträge wie möglich zu erhalten. Und das hat sich negativ ausgewirkt auf die Baukultur, die hierzulande in den Kinderschuhen steckt“, meint Rosca. Eigentlich seien die Architekten der Gemeinschaft verpflichtet, schließlich lebten sie von den Bedürfnissen dieser Gemeinschaft, von deren Ansprüche an den öffentlichen und den privaten Raum. Mit der Krise könnten sich die Architekten nun auch mehr einbringen in die Mitgestaltung der Belange innerhalb und in Kooperation mit der Gemeinschaft.

 

In Hermannstadt arbeiten die Architekten inzwischen nach dem Motto „Wir wollen etwas aufbauen, kritisiert wird genug“ gut zusammen mit dem Bürgermeisteramt. Seit 2007 schicken sie Vertreter in den Technischen Ausschuss für Städtebau und Raumgestaltung der Stadt, der gegenüber dem Fachausschuss des Stadtrats eine beratende Funktion ausübt. In der Praxis gehe es mühsam voran, weil man zwar unendlich lange über Stadt- und Straßenbild diskutieren kann, doch diese Diskussionen drohen oft aus dem Ruder zu gehen, weil zwischen Gesetzgebung und Umsetzung noch Welten liegen.

 

Rosca: „Wir verfügen über alle nötigen gesetzlichen Regelungen und Vorschriften. Die Umsetzung ist aber problematisch, weil sie von Menschen abhängt. Haben diese Menschen gute Absichten gibt es gute Ergebnisse.“ So sei er zuversichtlich über den jüngst erstellten und genehmigten Bebauungsplan von Hermannstadt. Insofern alle Zuständigen, vom Architekten über die ausführende Firma und die Genehmigungsbehörden diesen Plan als verbesserungswürdiges Arbeitsinstrument verstehen, könne eigentlich wenig schiefgehen.

 

Zurück zur Rolle des Architekten unterstreicht Rosca: „Der Architekt muss alles im Blick haben. Es ist nicht verpflichtend aber empfehlenswert, dass er auch die Bauleitung macht oder mit der Bauleitung eng zusammenarbeitet.“ Er selbst habe bei dem Bau des Künstlerachivs mit dem Künstler Dan Perjovschi persönlich kooperiert. Ohne eine Vertrauensbasis hätte es nicht funktioniert. Diese Basis motiviere auch und man gebe sein Bestes. Er selbst habe sich dauernd mit dem Projekt beschäftigt und sei davon überzeugt, dass man in der Praxis „immer auf der Baustelle sein muss“, wenn einem an dem Projekt etwas liegt. Laufe nämlich etwas schief, so wird der Architekt mit Namen genannt, selten der Auftraggeber oder die Baufirma.

 

Noch hakt es mit der Wirksamkeit des Ehrenkodex der Architekten, sagt Rosca und gibt zu, dass hier der Architektenorden selbst noch viel mehr machen muss, auch in Sachen Weiterbildung seiner Mitglieder. Nach zehn Jahren Aufbauarbeit sei der Architektenorden nun in der Lage, die Baukultur in Rumänien positiv zu prägen, jenseits aller Seminare und Bälle, also sichtbar. In vielen Fällen ist es allerdings zu spät, das gibt auch Rosca zu.

 

hier zur Hermannstaedter Zeitung
Gespräch mit Architekt Gabriel Rosca, Vorsitzender der Filiale Hermannstadt-Vâlcea des Architektenordens